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Berufsbild:   Der Fahrdienstleiter
Nachtschicht im Stellwerk.

Anders, als bei der Modelleisenbahn, kann man hier keinen Netzstecker aus der Steckdose ziehen und es ist Feierabend. Nein, der Betrieb bei der Bahn läuft Tag und Nacht. Viele Berufsbilder gibt es bei der Bahn, die für einen sicheren Betrieb sorgen. Die Bahn ist ein Dienstleistungsunternehmen und der Kunde erwartet, das seine Güter, oder sein Zug  sicher  und pünktlich  von       A nach B gebracht wird. Um diesen Ablauf zu gewährleisten, ist der Fahrdienstleiter für einen Teilbereich oder Streckenabschnitt verantwortlich.

 

Lesen Sie hier in dieser Reportage:

 

Foto: DB/AG


                                             Alltag eines Fahrdienstleiters

Von R. Hoppe

Bevor ich in einer kleinen Anekdote aus meinem Alltag im Dienst erzähle, möchte ich kurz das Stellwerk und meinen Beruf erläutern.

Fahrdienstleiter sind für die sichere und pünktliche Durchführung von Zug- und Rangierfahrten verantwortlich. In der Regel ist mein Arbeitsplatz ein Stellwerk, von welchem aus Fahrwege gesichert, Signale und Weichen gestellt werden, sowie im Einvernehmen mit dem zuständigen Streckendisponenten der Betriebsleitung die Züge disponiert werden. Zu den Aufgaben gehören u. A. die Fahrwegsicherung, Disposition, Sicherstellen von Anschlüssen und die betriebliche Schriftführung (Zugmeldebuch, Anordnungen über den Zugverkehr, Fernsprechbuch, Bearbeiten von Fernschreiben zur Einlegung von Sonderzügen, etc.).

Ich bin Fahrdienstleiter in der Niederlassung West, Duisburg der DB Netz AG. Eingestellt beim Streckenmanagement Hamm(Westf), tätig im Durchführungsbereich Münster(Westf). Geprüft bin ich z. Z. als Fahrdienstleiter auf den Stellwerken Emsdetten, Greven, Sudmühle, Ascheberg und Dülmen. Berichten möchte ich hier von einer Schicht in Dülmen, wie sie sich zugetragen hat oder zutragen könnte. ;-)

Das Zentralstellwerk ‚Df’ in Dülmen beherbergt in seinem Gebäude eigentlich zwei Stellwerke. Zum einen ein Gleisbildstellwerk für den oberen Bahnhof (Dülmen [hoch]) und ein elektronisches Stellwerk (ESTW) für den unteren Bahnhof und weiteren Betriebsstellen.

In Dülmen selber kreuzen sich zwei Strecken unabhängig voneinander, zum einen die eingleisige Hauptbahn Lünen – Gronau (- Enschede), Strecke 2100 und die zweigleisige Hauptbahn Wanne=Eickel – Bremen, Strecke 2200.

Der Bahnhof Dülmen(hoch) wird von einem Stellwerk der Bauform SpDrL30 gesteuert. Es handelt sich dabei um ein Spurplanstellwerk der Fa. Alcatel (ehemals Standard-Elektrik Lorenz). Bedient wird es mittels Drucktasten, die durch Ansteuerung von Relais eine Bedienungshandlung an der Außenanlage ausführen und Fahrstraßen technisch sichern. Durch eine Spurplanausleuchtung ist der Zustand der Fahr- und Rangierstraßen, Signale, Fahrwegelemente, etc. zu sehen.

Das ESTW Dülmen hat einen Stellbereich von etwa 30 Kilometern. Aus Richtung Münster gesehen werden die Bahnhöfe Appelhülsen, Dülmen, Sythen Betriebsbahnhof, Haltern am See und die Abzweigstelle Lippe bedient. Ein elektronisches Stellwerk arbeitet mittels Bereichsstellrechnern nach dem 2 von 3 Prinzip, d. h. von drei Rechnern müssen immer zwei parallel arbeiten. Der dritte dient als Rückfallebene bei Ausfall eines Rechners. Sämtliche Bedienungshandlungen werden mit den Stellrechnern als elektrische Impulse an die Außenanlage weitergegeben. Auf Monitoren ist immer der aktuelle Zustand (Weichenlage, Freisein eines Gleisabschnittes, etc.) zu erkennen. Die Bedienung dieses Stellwerkes erfolgt in Dülmen von einem sog. Bedientablett mittels eines Abtaststiftes. Auf eine Bereichsübersicht (Berü) sind der gesamte Stellbereich des ESTW, der Zugverkehr und die gesicherten Fahrstraßen zu sehen. Diese Berü ist aufgeteilt in 7 Lupenbilder, auf denen sozusagen eine vergrößerte Darstellung eines Bereiches möglich ist. Dies ist erforderlich bei Hilfshandlungen, aber auch dem Bedienen von einzelnen Elementen, z. B. Einzelumstellung einer Weiche oder das Einschalten des Selbststellbetriebes an einem Signal.

Aus verständlichen Gründen kann ich hier nicht explizit auf die Bauformen der Stellwerke und den Aufbau eines ESTW eingehen. Wer sich aber näher informieren möchte, dem sei’ diese Website empfohlen:

www.Stellwerke.de/formen/estw-a

 

Mechanisches Stellwerk Lübeck Hbf.

Foto: DB/AG

Nur noch selten, sind mechanische Stellwerke anzutreffen. Hier war auch Muskelkraft angesagt, um die Stellhebel zu bedienen.

Von hier aus, wurde über einen Seilzug das Signal, oder die Weiche gestellt.

 

Alle durchgehenden Hauptgleise sind mit Selbststellbetrieb ausgerüstet, d. h. bei Annäherung eines Zuges wird automatisch die Ein- und Ausfahrzugstraße für einen Zug eingestellt. Dieser kann selbstverständlich zurückgenommen werden, z. B. bei Störungen oder für Züge, die enden, wenden oder nicht in einen Bahnhof einfahren.

Ausgerüstet ist der gesamte Stellbereich mit Kombinationssignalen (Ks), diese vereinen zuweilen Vor- und Hauptsignalfunktion in einem Signal. Eine genaue Erläuterung ist ebenfalls auf www.Stellwerke.de zu finden.

Eine kleine Besonderheit ist die Tatsache, dass alle Lichtsperrsignale im Bereich nur ein rotes Licht anstelle von zweien zeigen, wie es für das Signalbild Sh0 üblich ist.

Zuletzt noch ein Wort zur Streckenführung: auf der Abzweigstelle Lippe zweigt die so genannte „V9“ ab. Eine eingleisige Strecke von Abzw Lippe nach Gelsenkirchen-Buer Nord. Sie wird sowohl von Güterzügen befahren, aber auch von der S-Bahn Linie 9, Haltern am See – Essen – Wuppertal.

RE/RB sowie ICE/IC fahren allerdings „geradeaus“ in Richtung Recklinghausen. Die nächste örtlich besetzte Betriebsstelle in Richtung Süden ist der Bahnhof Marl-Sinsen, in Richtung Norden schließt sich der Bahnhof Bösensell an, welcher seinerseits vom Zentralstellwerk ‚Mf’ in Münster Hbf bedient wird.

Moderne Stellwerke sind heute mit Computer ausge- rüstet. Die Ein und Ausfahrt der Züge kann über das Gleisbild verfolgt werden. Richtig Stress kommt auf, wenn Züge durch Verspätungen den Fahrplan durcheinander bringen.

Auch die Durchsagen für die Reisenden auf dem Bahnsteig, werden von hier vorgenommen.

Netzleitzentrale Berlin-Pankow

Foto: DB/AG

Nun aber genug der Fakten, hier ein Tag in meinem Leben als Fahrdienstleiter: Donnerstagmorgen, kurz nach vier. Aus dem Radiowecker ertönt Diary of Dreams – „She and her darkness“. Wird Zeit mal wieder die CD zu wechseln, so schön der Song auch ist, aber Tag für Tag? Vielleicht Richard Clayderman… oder doch lieber Ravels „Bolero“? Naja, egal, jetzt ist keine Zeit für musikalische Zeitreisen. Schnell in die Küche, Kaffee aufsetzen. Aha, noch Kaffee drin? Wohl von gestern, aber leider kalt. Was soll’s, wofür gibt es Mikrowellen. Schnell ins Bad, Haare waschen, Zähne putzen, anschließend Spiegel abwischen. „Glasreiniger“ füge ich meinem Einkaufszettel hinzu. Zurück ins Schlafzimmer, ankleiden… wo ist denn das verflixte Hemd hin? Ach ja, in der Wäsche, und im Kleiderschrank ist natürlich keines mehr zu finden. Na gut, dann eben was legeres, T-Shirt, Rollkragenpullover… der Gürtel ist auch verschwunden…

Himmel, der Kaffee! Der kocht wahrscheinlich schon. So, noch ein paar Butterbrote eingepackt, etwas Obst und die Zunge am Kaffee verbrühen. Schon zwanzig vor fünf, jetzt aber höchste Eisenbahn, 04:51 geht mein Zug.

Schlüsselbund, Handy, Fahrkarte… alles da. Auf geht’s. Wenige Minuten Fußweg liegen vor mir, bis ich den Bahnhof Rheine erreiche. Heute ist es wieder mal saukalt, hoffentlich versagt keine der Weichenheizungen ihren Dienst. Wenigstens schneit es nicht.

Während ich im Zug sitze überlege ich, mit wem ich heute eigentlich die Schicht bestreiten darf, aber was soll’s, lass’ ich mich eben überraschen. Noch ein wenig Augenpflege, bis Münster sind es 35 Minuten mit der RegionalBahn.

In Münster angekommen hole ich mir erstmal einen Kaffee, der nicht die Temperatur eines Hochofens hat. Der RE nach Mönchengladbach fährt ja erst um 05:38.

So, Gleis 14, und wo ist der Zug? Aha, Gleisänderung, heute von Gleis 8. Na gut, Treppe runter, Treppe rauf, da steht er ja. Heute nehme ich mal im Oberstock Platz. Noch schnell einen Blick in die Neue Zürcher und in 20 Minuten bin ich auch schon da.

‚Df’ ist oben am Gebäude in erhabenen Lettern zu lesen. Da wären wir. Der Bedienraum liegt in der dritten Etage. So schön die Aussicht auch ist, aber diese Treppen. „Guten Morgen zusammen“ keuche ich meinen Kollegen entgegen. Aha, heute Dienst mit Claudia, wenigstens ein Gesprächspartner, dem ich mein Leid mit den Frauen klagen kann. *gg* Der Kollege vom Nachtdienst klärt mich noch schnell über die Besonderheiten auf: in Haltern steht ein abgespannter Güterzug, eine Lok ist für heute Morgen eingelegt. Er soll dann nach Dinslaken weiterfahren. Auf der oberen Strecke ein Fehlermelder an einem der Bahnübergänge. Die Dispostelle für Entstörung ist noch nicht verständigt. Kein Problem, wird gleich erledigt. „Angenehme Bettruhe, bis die Tage“ rufe ich meinem Kollegen noch hinterher, da schellt es auch schon.

Es ist der Fahrdienstleiter Coesfeld, der mir einen Zug anbieten möchte. „Fahrdienstleiter Dülmen, Hoppe. Guten Morgen zusammen! [der Weichenwärter in Coesfeld hört die Zugmeldungen mit]… Zug 29594 ja… ich wiederhole, Zug 29594 voraussichtlich ab ’03.“ Erlaubnis abgeben, Einfahrzugstraße einstellen. Noch die Funktionsprüfung der Fü-Anlagen durchführen und eintragen in die Spalte „Meldungen und Vermerke“ des Zugmeldebuches.

Ein Blick ins LeiBit, alle Zge plan. Sehr schön, sonst müsste ich den Kunden an den Bahnsteigen wieder was erzählen. Ich glaube, ich setze in der Küche erstmal einen Kaffee auf, dritter Versuch, hoffentlich diesmal erfolgreich. Die Dispostelle muss ich ja auch noch anrufen. „Guten Morgen, der Fahrdienstleiter in Dülmen hier. Wir haben eine Fehlermeldung an einem BÜ der oberen Strecke. BÜ 3, km 46,579… richtig, tritt bei jeder Zugfahrt auf.“ Der Kollege in Hamm notiert es und versichert mir, die Fachkraft LST (Leit- und Sicherungstechnik) zu verständigen. „Danke, auf Wiedersehen.“ So, den Zug nach Lödinghausen weitermelden… „Dülmen, Hoppe. Guten Morgen zusammen! Zugmeldung; wird Zug 29594 angenommen? … Zug 29594 voraussichtlich ab ’18. … Richtig.“ Da kommt er schon um die Ecke, Ausfahrt einstellen, Ansage machen: „Verehrte Fahrgste, an Gleis 31 fährt jetzt ein Westmünsterland-Bahn aus Gronau zur Weiterfahrt nach Dortmund Hbf,über

Lüdinghausen, Selm und Lünen. Planmäßige Abfahrt 06:18 Uhr, der nächste Halt ist Lüdinghausen. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt des Zuges!“ Der Zug steht am Bahnsteig. Ankunft ins Zugmeldebuch eintragen, Ansage machen: „Dülmen, hier Dülmen, Gleis 31. Eingefahrene Westmünsterland-Bahn fährt weiter nach Dortmund.“

 

Wo ist denn der ICE geblieben?

Elektronisches Stellwerk Hamburg Altona.

Foto: DB/AG

Für bestimmte Zuggattungen, gibt es fest vorgegebene Fahrwege, damit vom ICE auch alle Wagen im Bahnhofsbereich zum halten kommen und nicht die letzten Wagen ausserhalb des Bahnsteigs stehen.

Heute Morgen ist es relativ ruhig, alle Züge verkehren planmäßig, keine Betriebsstörungen bislang.

Viertel vor acht, Claudia fragt mich, wo denn der RE aus Mönchengladbach bleibt. Ich schaue auf den LeiBit-Monitor, 07:48 soll er in Haltern abfahren. Aha, +20, Wagenstörung in Viersen. Na gut, werde ich den Fahrgästen an den Bahnsteigen mal einen erzählen… „Meine Damen und Herren an Gleis 3, bitte beachten Sie folgenden Hinweis: der Rhein-Haard-Express aus Mönchengladbach zur Weiterfahrt nach Münster, mit Halt in Dülmen, planmäßige Abfahrt 07:48 Uhr, wird aufgrund einer Wagenstörung heute leider 20 Minuten später eintreffen, ich wiederhole noch einmal…“ Und dasselbe noch viermal, Haltepunkt Sythen, Dülmen, Haltepunkt Buldern, Appelhülsen. Bis zehn nach acht bin ich damit beschäftigt.

Ich setze gerade an, in Buldern etwas am Bahnsteig zu sagen, da schellt es schon wieder. Coesfeld will mir einen Zug andrehen. Gesagt, getan. Zurück zur Ansage in Buldern.

Ich schaue ins LeiBit, die RB aus Essen, die in Haltern endet, Ankunft 08:06, ist plan. Der verspätete RE fährt gerade in Haltern ein. Wo ist denn der ICE Frankfurt(Main) – Münster? Aha, Marl-Sinsen, jeden Moment müsste die Zugnummer in Lippe zu sehen sein. Und es schellt auch schon, es ist der Streckenbereichsdisponent der Betriebsleitung Duisburg. „Fahrdienstleitung Dülmen, Hoppe. … Guten Morgen. 10205 in Sythen ’raus, Überholung 626, verstanden.“

[Der RE 10205 soll in Sythen Bbf vom ICE 626 überholt werden.]

Schnell Claudia Bescheid geben, bevor in Sythen der Selbststellbetrieb anläuft. Ah, sie hat schon die Einfahrt ins Überholungsleis gestellt, sehr schön. Aber auflaufen wird der ICE trotzdem noch… naja, das ist nicht zu ändern.

 

Schon wieder Telefon, der Disponent für die Diensteinteilung ist am Apparat. „Morgen Carsten… Sonntag Tagesdienst in Emsdetten? Natürlich mache ich den, kein Thema. (Warum auch nicht? Ich bin ja gerne an der Bahn, stets zu Diensten, rund um die Uhr. Zuviel Freizeit ist sowieso ungesund, da käme man ja auch nur auf blöde Gedanken, z. B. Sport treiben, oder so.) Wie sieht’s aus mit kommender Woche, bleibt es beim Nachtdienst in Sudmühle? Ok, super. Tschau!“

So, was wollte ich doch gleich? Ach ja, Ansage in Appelhülsen, Zugmeldung nach Lüdinghausen. Da kommt die RegionalBahn aus Enschede eingefahren, Ausfahrt stellen… ach nein, halt! Anschluss von unten aufnehmen, der verspätete RE aus Mönchengladbach steht gerade am Bahnsteig. „Meine Damen und Herren an Gleis 2, willkommen in Dülmen. Ihre nächste Reisemöglichkeit: Sie haben noch Anschluss an die Westmünsterland-Bahn nach Dortmund, die Abfahrt 08:17 aus Gleis 31 im oberen Bahnhof. Dieser Zug steht abfahrbereit an Gleis 31.“ So, noch den Tf der RegionalBahn über Lautsprecher verständigen, warum er keine Ausfahrt hat. „Achtung Dienstgespräch: Triebfahrzeugführer 29054 – Anschluss 10205. Triebfahrzeugführer 29054 – Anschluss 10205.“

Telefon… diesmal der Bezirksleiter Betrieb. „Guten Morgen. … Danke der Nachfrage, und selbst? Das freut mich zu hören. … Dienstauftrag Nummer 27/03? Moment, schaue ich nach. … Hier ist er: Aufhebung der Sperrung Gleis 9 in Haltern. Ja, ist vorhanden, gestern eingetroffen. Ok, schönen Tag noch, Wiederhören.“

So, alles wieder plan? Jawohl, keine weiteren Verspätungen. Noch die Ausfahrt nach Lüdinghausen einstellen, wer jetzt nicht da ist, ist selbst schuld. Auf die Frage meiner Kollegin nach meinen Plänen fürs Wochenende entfährt mir nur ein leises Knurren, bevor ich was sagen kann, schellt es auch schon wieder.

Diesmal der Telekom-Apparat; am anderen eine etwas dünne Stimme: „Schönen juten Tach, Paul Meier mein Name. Ich bin Anwohner hier an der Strecke zwischen Sythen und Haltern. (selbst Schuld) Seit 30 Jahren wohne ich ja schon hier, aber seit ein paar Tagen höre ich immer so komische Geräusche, wenn die Züge Richtung Haltern vorbeifahren (aha, er hört komische Geräusche… Batterie vom Hörgerät schon mal überprüft? Oder haben wir ein bisschen was getrunken…), vielleicht ist da etwas am Gleis nicht in Ordnung? Ich wollte ihnen das nur mal sagen, wissen’se, man kann ja nie wissen…“ „Das ist ja sehr löblich, das sie anrufen. Können sie vielleicht die Stelle etwas konkreter beschreiben? Ich werde das dann weitergeben an die Kollegen der Instandhaltung. … aha, ja… genau… jaja, so ist das… ok, herzlichen Dank… ja, sicher… ich bedanke… aha… nun gut… ja, wie ges… soso…, also wie gesagt, ich gebe das weiter. Vielen dank für ihren Anruf, auf Wiederhören.“ Dispostelle anrufen. Der Kollege gibt es an die Fachkraft Fahrbahn weiter.

 

Ausfahrsignale im Bahnhofsbereich.

Für einen reibungslosen Ablauf im Bahnverkehr, sind Signale bei der heutigen Zugfolge unersetzlich.

Die Signale im Vordergrund sind Ausfahrsignale, die im Bahnhofsbereich stehen. (Doppelrotes Licht) Auch kann über Leuchtziffern, dem Lokführer eine Geschwindigkeitsbeschränkung ange- kündigt werden.

 

Foto: DB/AG

Zwanzig nach neun. Plätze tauschen… eben noch einen Übergabestempel ins Dienstbuch setzen… oh, heute Morgen hab’ ich noch gar nicht unterschrieben. Wo ist denn mein Kuli hin…

Ich nehme meinen Platz vor den Monitoren ein. Claudia übernimmt jetzt die obere Strecke. Sie nimmt gerade einen Zug von Lüdinghausen an.

Dann wollen wir mal schauen… der Stuhl ist aber tief, warum setze ich mich nicht gleich auf den Fußboden…zack, falscher Hebel, die Rückenlehne drückt mich nach vorne; gut, dass der Kaffee leer ist.

Kurz nach 11, Funkruf vom Triebfahrzeugführer 22223: „Guten Morgen Dülmen, ich steh hier vor der Einfahrt Haltern…“ Blick auf die Berü… „Schei**!“, Selbststellbetrieb vergessen. [Der Tf erkennt an der Signalstellung Ks1, dass er Einfahrt in das durchgehende Hauptgleis hat, er soll aber nach Gleis 1 fahren, und dort enden.]

„Guten Morgen, Kollege. Bitte bleib am Einfahrsignal stehen, ich werde die Einfahrt zurücknehmen und nach 1 stellen.“ So ein Murks, jetzt hat der Zug der Gegenrichtung schon Durchfahrt, und von hinten kommt der IC Luxembourg – Norddeich Mole. Das gibt wieder Lack von der Betriebsleitung. Fluchend stelle ich das Einfahrsignal auf Halt und nehme die Fahrstraße zurück. Der IC steht schon vor dem Blocksignal. So, der RE ist durch, jetzt schnell Einfahrt nach Gleis 1. Das kostet dem InterCity wieder 5 Minuten. Schon schellt es auch… „Ich geh’ schon.“ sage ich zu meiner Kollegin. Anschiss vom Streckendisponenten…“tut mir leid, mein Fehler…, ja, selbstverständlich. Ok, danke!“ Naja, wenigstens war er guter Laune.

Kurz vor zwölf, der Feierabend rückt von Minute zu Minute näher. Da ertönt der Störsummer, was schreibt der Störungsdruckerspiegel? Störung grün, Ks1 – Signal 97A. Aha, Einfahrsignal Appelhülsen. Klasse, Signalabsturz. Auf der Lupe blinkt das Signalsymbol, ein Zug steht auch im Abschnitt hinter dem Signal. Die Zugfunkleitung schellt: „Morgen. 40211 hier, was ist denn da bei Euch los? Das Signal ist auf Halt gefallen, jetzt hab’ ich eine Zwangsbremsung erhalten.“

[Ein Signalabsturz auf einem ESTW kann vielerlei Ursachen haben. Da die Kombinationssignale keine Glühbirnen besitzen, sondern eine Optik aus Glasfaser-Lichtwellenleitern, gibt es den klassischen Fall des zerstörten Haupt- oder

Nebenfadens hier nicht. Ursache kann z. B. ein Übertragungsfehler des Signalrechners sein.

Da dieser Zug durch den vorzeitigen Haltfall eine Zwangsbremsung erhalten hat und am Signal „durchgerutscht“ ist, bekommt er nun einen schriftlichen Befehl zur Weiterfahrt.]

 

Claudia verständigt sofort die Dispostelle, ich diktiere dem Tf einen Befehl. „Befehl für Triebfahrzeugführer Zug 40211, Vordruck 1 von 1. Nummer 2: Sie dürfen nach Vorbeifahrt am Esig 97 A des Bahnhofes Appelhülsen weiterfahren. Dülmen, Datum, Uhrzeit…“ So, der Triebfahrzeugführer wiederholt korrekt. „Richtig. Mein Name ist Hoppe… Dein Name ist Meisenbrink…ok, dann darfst Du Deine Fahrt fortsetzen.“

Das musste ja sein, und das kurz vor Feierabend. So, dahinter liegt schon der RE nach Münster… „Claudia, schreibst Du ihm den Befehl? Danke!“

Telefon… meine Kollegin diktiert den Befehl, der Fahrweg ist gesichert. Ich nehme ab. Es ist die Fachkraft Fahrbahn, er hat sich die besagte Stelle am Gleis angesehen, wo die Züge „komische Geräusche“ von sich geben sollen. Er teilt mir mit, dass keine betrieblichen Einschränkungen nötig sind. Die Geräuschentwicklung hat ihre Ursache in Schallreflektionen.

Da fährt der 51117 in Haltern durch, heute führt er eine außergewöhnliche Sendung mit. Also muss ich den Zug fernmündlich nach Marl-Sinsen abmelden. „Dülmen, Raimund Hoppe hier. Morgen. Eine Zugmeldung: Zug 51117 mit außergewöhnlicher Sendung Abzweig Lippe voraussichtlich ab ’09… Richtig.“ Eintragen in das Zugmeldebuch.

Inzwischen ist der Techniker vor Ort im Modul Appelhülsen und führt einen Reset für das gestörte Signal aus. Der Störungsdrucker schreibt IO – Störung grün Ks1 – Signal 97 A. Wunderbar, alles wieder in Ordnung. So können wir wenigstens ein „sauberes“ Stellwerk an die Kollegen übergeben.

Schnell meine Sachen zusammengepackt, das letzte Butterbrot verzehrt und noch die Lok für den abgestellten Güterzug in Haltern nach Gleis 4 eingefahren. Schon schellt es, der Spätdienst ist da.

„Mahlzeit zusammen!“ Claudia erläutert die Besonderheiten, ich unterschreibe im Dienstbuch und schnappe mir meinen Koffer um meinen Zug zu erreichen. Er fährt gerade am Haltepunkt Sythen ab. „So, Claudia… bis morgen? Ach so, Spätdienst… ach ja, ich ja auch. Na dann, bis morgen! Angenehmen Dienst wünsche ich Euch.“

Treppe hinunter, da ist eine Leuchtstoffröhre defekt, muss ich morgen sofort melden, wenn sie noch nicht ausgetauscht wurde. Schließlich bin ich ja nebenher noch Sicherheitsbeauftragter. Da kommt auch schon mein Zug. Ach, heute gehe ich mal ins Zugcafé. Aber ob ich wieder Kaffee trinke…?

©  Text bei Raimund Hoppe, © Webseitengestalltung bei Andreas M., © Fotos mit freundlicher Genehmigung der DB/AG

 

Die Fahrkarten Bitte!

Viele Mitarbeiter sind bei der Bahn für einen sicheren und reibungslosen Betrieb verantwortlich.

Foto: DB/AG

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