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Die Jagt nach der Zeit

Züge fahren nach festen Fahrplänen und der Reisende ist froh, wenn beim umsteigen die Anschlusszüge erreicht werden. Doch welcher Aufwand dahinter steht, ist dem Fahrgast verborgen.


 

 

Lesen Sie hier in dieser Reportage wie die Züge bei der Deutschen Bahn über das Zeit Management gesteuert werden.

Von Christian Ebner

FRANKFURT. Der Arbeitsplatz von Fritz Bochmann im Frankfurter Gallusviertel sieht aus wie der eines Börsenhändlers. Auf sechs flachen Monitoren laufen Tabellen und blinken bunte Grafiken. Bis auf einen kleinen Schmierzettel hat kein Papier mehr Platz in der Hochtechnologiezone.

Bochmann handelt aber nicht mit Optionen oder Aktien, sondern überwacht den Bahnverkehr in ganz Süddeutschland, das in seinem Fall bis Magdeburg reicht. Er ist einer von 33 Mitarbeitern der Netzleitzentrale der Deutschen Bahn, sozusagen das Herz des deutschen Schienenverkehrs.

Arbeitsplatz eines Disponenten in der Netzleitzentrale in Frankfurt am Main

Die Disponenten überwachen hier rund 800 Femreisezüge und 700 überregionale Güterzüge auf ihren täglichen Wegen durch das 35000 Kilometer lange deutsche Schienennetz. Per Mausklick können sie Position und Pünktlichkeit sämtlicher Fernzüge erkennen, die ihre Daten über feste „Zugnummermeldeanlagen" von der Strecke an das Computersystem geben. Für Reisende interessant sind die Verbindungslinien zwischen den einzelnen Zügen an den Bahnhöfen.

Netzleitzentrale in Frankfurt am Main, Monitor mit Zeit-Wege-Linien

Netzleitzentrale in Frankfurt am Main; Monitor Streckenspiegel

Sind sie auf Bochmanns Monitor grün, klappt der Anschluss, doch sobald sie gelber werden, sind seine Erfahrung und Entscheidungsfreude gefragt. Was bedeutet es für den Gesamtbetriebsablauf, wenn er den ICE von Nürnberg nach Wien eine Viertelstunde warten lässt? „Man muss aufpassen, dass man nicht viele neue Löcher aufreißt, wenn man ein Loch stopft. 15 Minuten sind für mich schon eine harte Nuss, aber bis Passau kann er schon einiges wieder aufholen", sagt Bochmann und tippt seine Entscheidung in den Rechner. Sofort erscheint der Wartebefehl auch auf den Bildschirmen der regionalen Betriebszentrale in München, die sie nun umsetzen muss. Bundesweit gibt es sieben dieser Unterzentralen.

Neben der Deutschen Bahn tummeln sich dort noch mehr als 300 weitere Eisenbahnbetriebe, deren Züge allesamt von der DB Netz AG technisch begleitet werden. „Wir entscheiden ohne Ansehen des Unternehmens", antwortet Zentralchef Ludwig Christiany auf die Frage der angeblichen Bevorzugung von Zügen des Mutterkonzerns. Gleichwohl birgt die Frage, welcher Zug auf welchen warten muss, am meisten Zündstoff.

Ziel eines neuen, technisch anspruchsvollen Projektes der Bahn ist es daher, die vielfältigen Informationen aus dem komplexen System Bahn schneller und besser an die Kunden zu bringen. Über 150 Millionen Büro steckt die Bahn in ein „Reisenden- informationssystem". Dieses soll per Internet und Handy abrufbar sein und auch dem Personal vor Ort die Möglichkeit geben, die Reisenden aktuell über Verspätungen und mögliche Anschlüsse zu informieren.

Die Züge der Bahn seien in diesem Jahr ähnlich pünktlich wie 2004, wo 93 Prozent nach Bahndefinition pünktlich, also höchstens fünf Minuten hinter dem Fahrplan gewesen seien, sagt Klaus Junker, Vorstand der DB Netz. Im Vergleich mit dem „desaströsen Jahr 2003" sei das eine deutliche Steigerung gewesen, die unter anderem mit intensiver Schulung des Personals erreicht worden sei. Weitere Verbesserungen bei der Pünktlichkeit seien nur noch mit kleinen Schritten erreichbar. Im Sommer hatte es vor allem im Fernverkehr mehr unpünktliche Züge gegeben. Nahezu jeder vierte erreichte die Vorgabe nicht. Bei täglich 37000 Zügen fallen die rund 1000 Fernzüge aber nicht so ins Gewicht.

Arbeitsplatz eines Netzkoordinators in der Netzleitzentrale in Frankfurt am Main.

 Webseitengestalltung bei Andreas M.,        ©  Text: Christian Ebner.        Fotos mit freundlicher Genehmigung der DB/AG

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